Hörprobe

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Häufig gestellte Fragen ...

 

 

Herr Seitz, wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch über die Missbrauchsvorwürfe in einem Kinderheim zu schreiben?

 

Seitz: Die Frage ist falsch! Sie müsste lauten: Wie ist die Idee zu diesem Buch zu Ihnen gekommen? Es war nämlich so, dass ich beruflich über mehrere Monate zum Thema Menschen, die in Institutionen leben, recherchiert habe. Institutionen sind z. B. auch Altenheime, Wohngemeinschaften für Kinder und Jugendliche oder in den letzten Jahren auch im Seniorenpflegebereich. Bei der Recherche bin ich im Internet auf den Endbericht der Kommission Wilhelminenberg aus dem Jahr 2013 gestoßen.

 

Sie beginnen Ihr Buch mit einem Mordfall in einem Pflegeheim …

 

Seitz: Bei meinen Recherchen im Pflegebereich kam mir plötzlich die Idee, was aus den Tätern von damals geworden ist. Diese sind ja inzwischen alle hochbetagt bzw. sie haben ihre Geheimnisse über Verbrechen an Kindern mit ins Grab genommen. Eine Bürgerinitiative in den 80er Jahren, die eine Aufklärung forderte, verlief erfolglos. Und so haben diejenigen, die seinerzeit die politische Verantwortung getragen haben, von dem all dem einfach nichts gewusst. Inzwischen gehören Großinstitutionen der Vergangenheit an.

 

 

Sie stammen ja aus Bayern, Herr Seitz – wie schaut`s bei Ihnen zu Hause aus, wenn die Frage erlaubt ist?

 

Seitz: Naja, ich muss eingestehen, im ländlichen Raum gibt es nach wie vor große Institutionen, z. B. psychiatrische Langzeiteinrichtungen. Am Anfang meiner Laufbahn als Krankenpfleger habe ich selbst drei Jahre in einer solchen Einrichtung ausgehalten. Dort habe ich die vorherrschenden Machtstrukturen – wie in einer Langzeitpsychiatrie üblich – noch kennen gelernt. Es ist eine Schande, dass man Menschen über Jahrzehnte in der Langzeitpsychiatrie verwahrt und ihnen damit ihr Leben gestohlen hat. Inklusion, wie die UN-Behindertenrechtsorganisation fordert, sieht anders aus! Das darf sich nicht wiederholen. Alle Einrichtungen, in denen mehr als acht Personen leben, sollten aufgelöst werden, um kleine lebensnahe Wohnformen innerhalb öffentlichen Wohnraums zu schaffen. Hier Wien spielt man da eine Vorreiterrolle.

 

Schreiben Sie in Ihren Büchern auch über sich selbst, Herr Seitz?

 

Seitz (überlegt kurz): Grundsätzlich gehöre ich nicht zu den Menschen, die biographische Romane schreiben. Meine Bücher dienen in erster Linie der Unterhaltung. Jedoch passiert es unweigerlich, dass persönliche Erfahrungen beim Erzählen einfach mit hineinfließen. Ich arbeite inzwischen seit zwanzig Jahren mit Randgruppen innerhalb und außerhalb der Psychiatrie. Wenn du in der Pflege arbeitest, bist du am Patienten dran, mehr als jede andere Berufsgruppe. Du weißt mehr über die Menschen – siehst nicht nur ihre Krankheiten – wie Ärzte und Therapeuten, die ja nur punktuell mit den Patienten bzw. Bewohnern etc. zu tun haben. Dadurch habe ich viel gelernt.

 

Inwiefern profitieren Sie davon als Autor?

 

Seitz: Zum Beispiel weiß ich aus meiner beruflichen Praxis, dass es sich bei Schizophrenie – grob gesagt – um eine Form der Wahrnehmungsstörung handelt. Ich Büchern von Kolleginnen und Kollegen lese ich in diesem Zusammenhang meist von gespaltenen Persönlichkeiten. Ein Syndrom a`la Jackyl und Hide habe ich in zwanzig Jahren nicht gesehen. Es kommt dermaßen selten vor, dass es weltweit davon überhaupt nur ganz wenige dokumentierte Fälle gibt. Allerdings spielt es in jedem zweiten Krimi eine Rolle und wird dann auch noch fälschlicher Weise als Schizophrenie bezeichnet.

 

Wo stehen Sie politisch?

 

Seitz (fasst sich an den Kopf): Um Gotten willen, nein! Politik überlasse ich denjenigen, die es nicht gelernt haben, Bücher zu schreiben. Dort treffen sich alle, die glauben, sie seien intelligent. Aber die meisten Menschen halten sich ja für intelligent. Die wenigsten sagen, sie sind Durchschnitt. Und wenn man sonst auf keinem Gebiet besonders begabt ist, dann geht man halt in die Politik. – Schreiben ist anstrengend genug, das dürfen Sie mir glauben – erst recht für einen nur durchschnittlich intelligenten Menschen! (zwinkert)

 

Wann finden Sie eigentlich zwischen Brötchenberuf und Frau und Kindern noch Zeit zu Schreiben, Herr Seitz?

 

Seitz: Gute Frage! Ich gehöre ja nicht zu den Menschen, die über Jahrzehnte an einem Manuskript schreiben, das sie dann, wenn sie Urlaub haben, aus der Schublade holen, um daran weiterzuarbeiten. Ich schreibe seit meinem zehnten Lebensjahr. Ich habe immer geschrieben. Ich konnte einfach nicht nicht schreiben. Ich schreibe im Jahr ein bis zwei neue Manuskripte. Das erste veröffentlichte war „Die Hexe von Burg Weißenstein“ im Morsak-Verlag im Jahr 2013. In meinen schwierigsten Phasen habe ich mir morgens um vier Uhr den Wecker gestellt und habe dann meine täglichen fünf Buchseiten geschrieben, wenn alle noch geschlafen haben.

 

Sie werden durch eine Literatur-Agentur vertreten. Wie haben Sie das geschafft?

 

Seitz: Es gibt in Deutschland circa zwanzig seriöse Agenturen. Seriös bedeutet immer, dass eine Agentur nur im Erfolgsfall am Autor verdient. Dasselbe gilt übrigens auch für Verlage. Jeder, der Ihnen Honig ums Maul schmiert, und eine Vorabkasse von Ihnen verlangt, will nur Ihr Geld. Heute führt der Weg zu einem großen Verlag nur noch über eine Agentur. In den letzten fünf Jahren habe ich mich mit mehreren Manuskripten circa hundertmal bei den gängigen Agenturen beworben. Ich habe „Die verlorenen Kinder“ in acht Wochen runtergeschrieben. Ausgerechnet das Manuskript, an dem ich am wenigsten herumgefeilt habe, war dann das richtige. Meine Agentin hat dann noch ein Jahr gebraucht, bis sie mich an Droemer Knaur vermittelt hat.

 

Herr Seitz, eine letzte Frage: Was betrachten Sie als Ihr Lebensmotto?

 

Seitz (überlegt): Das gibt es mehreres – (kratzt sich am Hinterkopf) – sich treu bleiben – hartnäckig ein Ziel verfolgen – jeder Mensch braucht ein hehres Ziel – erkennen, dass Veränderungen das Beste sind, was einem passieren kann – erkennen, dass manche Menschen einen krank machen und man sich dann von ihnen trennen muss – niemals gegen das eigene Gewissen handeln – mit Fehlern offen umgehen – an sich selbst glauben … An sich selbst glauben und Vertrauen in sich selbst haben, das ist überhaupt das Wichtigste – und auch in Gott vertrauen, dass er uns zur rechten Zeit immer die richtigen Zeichen gibt. Ich glaube, dass der Glaube an eine höhere Macht Grundvoraussetzung für ein glückliches Leben ist. Ich liebe es, zum Einschlafen ein Kapitel in der Bibel zu lesen. Das hat mein Leben bereichert.

 

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Euer 

 

Michael Seitz

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Einen Artikel über mich vom November 2013 findet ihr hier ...

 

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