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Einen Artikel über mich vom November 2013 findet ihr hier ...

 

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Klappentext

Ein jahrzehntealter Mordfall, ein verschwundenes Mädchen und eine Familie, die eisern schweigt. In diesem Psychothriller kämpfen Profiler Tobi Miller und Chefinspektor Bruno Horwath gegen die Zeit und für das Leben eines jungen Mädchens.
Wien, 2017. Der Profiler Tobi Miller kehrt nach Jahren in den USA in seine Heimatstadt zurück. Kurz darauf verschwindet ein Mädchen, das Ilona, Tobis bester Freundin aus Kindertagen, auf gespenstische Art und Weise ähnelt. Ilona verschwand ebenfalls, als sie sieben Jahre alt war und Tobi war damals der letzte, der sie lebend sah. Gemeinsam mit Chefinspektor Bruno Horvath beginnt der Profiler zu ermitteln und stößt unter den Familienangehörigen der beiden Mädchen auf eine Mauer des Schweigens. Wer ermordete Ilona? Und wer steckt hinter dem aktuellen Verbrechen? Die Ermittlungen fördern schließlich ein Familiendrama zutage, das auf einem Gutshof in Ostpreußen im Winter 1945 seinen Lauf nahm und dessen Folgen bis in die Gegenwart hinein reichen. Tobi Miller und Chefinspektor Bruno Horvath führen in diesem Verwirrspiel einen Kampf gegen die Zeit und gegen den Tod … Ein Coldcase und ein aktueller Kriminalfall treffen in diesem Psychothriller der Extraklasse aufeinander!

Taschenbuch, Knaur TB / Ebook

Erschreinungstermin 01.07.2019, 366 S.
ISBN: 978-3-426-21714-6
Taschenbuch € 12,99
Ebook  4,99

Leseprobe

 

Wien, 1983
Im Schulflur stank es wie immer nach Käsefüßen. Der Junge ekelte sich vor dem Geruch. Die großen Ferien schienen ihm plötzlich wie ein schöner Traum, den er am Morgen abgestreift hatte, als er mit den Armen in die Riemen seiner zerbeulten Schultasche geschlüpft war. Er wandelte vorbei an den metallenen Wandschränken mit den Aufklebern, deren Bedeutung für ihn ein Rätsel darstellten: ATOMKRAFT, nein danke! – In den Ferien waren Jugendliche durch die Straßen gezogen und hatten weiße Luftballons an Hauseingängen, Geländern und Laternen festgebunden. Der Junge hatte eine Schere aus der Wohnung geholt und einen der Luftballons an der Schnur abgeschnitten, um ihn an den Lenker seines neuen Fahrrads zu binden. Stolz war er mit dem weißen Luftballon herumgefahren und hatte voll Vorfreude bei seiner Freundin Ilona angeläutet. Ilonas Vater hatte ihm die Tür geöffnet und sich ihm in den Weg gestellt.
»Darf ich reinkommen? Ich will Ilona besuchen«, hatte der Junge gefragt.
Herr Wagner hatte ihn angesehen und mit tonloser Stimme geantwortet: »Heute nicht, Tobias.«
Der Junge mochte Herrn Wagner. Ilonas Vater ging manchmal im Sommer mit ihnen ins Schwimmbad oder im Herbst ins Kino. Der Vater sagte, Herr Wagner habe dafür Zeit, weil er von Beruf Lehrer sei. Der Vater des Jungen dagegen hatte für einen derartigen Blödsinn, wie er es nannte, niemals Zeit, weil er als Arzt in seiner Praxis und im Krankenhaus arbeitete. Er musste jeden Tag Überstunden machen, um Leben zu retten. Lehrer dagegen hatten fast die Hälfte des Jahres Ferien!
Der Junge spürte seine Knie zittern. Herr Wagner sah ihn mit seinen hellen Augen an. Tränen liefen Ilonas Vater über das Gesicht, bevor er den Jungen in den Arm schloss, dahinter das Fahrrad mit dem Luftballon sah und einfach nicht länger an sich halten konnte. Der Erwachsene begann hemmungslos zu weinen.
Als der Junge an diesem Tag nach den Ferien das Klassenzimmer betrat, setzte er sich an seinen alten Platz. Der vertraute Geruch drang ihm in die Nase, eine Mischung aus Spitzabfällen, Radiergummi, Linoleumboden und Desinfektionsmitteln. Zum Gefühl der Übelkeit gesellte sich ein stechender Schmerz in seiner linken Schläfe – es handelte sich um eine Form von Kopfschmerzen, die er vor den Ferien noch nicht gekannt hatte. Erst an dem Tag, an dem er den weißen Luftballon, auf den jemand mit Filzstift eine Taube gemalt hatte, an seinen Fahrradlenker geknotet hatte, war ihm dieser Schmerz in seiner Stirn zum ersten Mal bewusst geworden.
»Ist Ilona schon da?«, fragte Kerstin und zeigte auf den leeren Platz neben dem Jungen.
Der Junge hob die Schultern, und ein anderer Junge namens Marco sagte: »Die kann gar nicht mehr kommen, hat meine Mama gesagt, weil sie nämlich tot ist. Ilona ist jetzt ein Engel!«
»Du lügst!«, sagte Kerstin.
Juliane mischte sich ebenfalls in ihren Disput ein: »Es gibt gar keinen Himmel, sagt mein Vater. Das ist nur eine Erfindung der Kirche … Ilona ist gar kein Engel geworden. Sie liegt jetzt unter der Erde und wird von Würmern aufgefressen und kommt als Scheiße aus den Würmerhintern wieder raus, wenn die Würmer mal aufs Klo müssen.«
»Selber schuld!«, meinte Kaspar. »Das passiert eben mit Kindern, wenn sie allein zur Kiesgrube laufen. Dann begegnen sie bösen Männern, die ihnen wehtun und sie umbringen ...«

 

Ende der Leseprobe